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langfristinvest (Allgemein)-nun gut fang ich mal an mit solch langfristinvestüberlegungen. Was kostet die Welt? Investoren stürzen sich auf Ackerland Selbst wenn es sich dabei um ein Extrembeispiel handelt, ändert das nichts an der fundamentalen Problematik: Der Rohstoff Ackerboden ist zum knappen Gut geworden, um das sich Investoren mittlerweile regelrecht reißen. Vor allem institutionelle Anleger wie Banken und Staatsfonds kaufen seit einigen Jahren rund um den Globus Agrarflächen auf. Aber auch das Interesse der Privatanleger wächst, schließlich bieten Investitionen eine ganze Reihe wesentlicher Vorteile. Grundsätzlich zeichnet sich die Anlageklasse durch hohe Wertstabilität und geringe Korrelation mit anderen Anlageinstrumenten wie Aktien oder Anleihen aus. Diese Annahmen werden beispielsweise von einer Studie der Credit Suisse zur Entwicklung des nordamerikanischen Agrarlandmarktes untermauert. Demnach wiesen die Preise für Ackerland im Zeitraum von 1992 bis 2009 eine Schwankung von 6,2 % auf, während der als Vergleichsindex gewählte S&P 500 mit 16,5 % deutlich stärkere Ausschläge verzeichnete. Das ist umso bezeichnender, als die Performance nicht zwangsläufig unter der niedrigen Volatilität leiden muss: Während es der S&P 500 lediglich auf einen durchschnittliche annualisierte Rendite von 7,7 % brachte, war mit Ackerland eine Rendite von 11,3 % erzielbar. Allerdings sollte beachtet werden, dass die Renditekennzahlen maßgeblich von der aktiven Bewirtschaftung abhängen. Etwa zwei Drittel der Einnahmen stammen aus der Vermarktung von Anbauprodukten, nur ein Drittel geht auf das Konto von Landwertsteigerungen. Wird die Agrarfläche lediglich verpachtet, fallen die Erträge niedriger aus. Als groben Richtwert für die Höhe von Pachterträgen lassen sich 2-3 % pro Jahr heranziehen, wodurch sich in vorliegendem Beispiel im schlechtesten Fall eine Rendite von rund 5,8 % pro Jahr ergeben hätte. Angesichts der hohen Wertstabilität handelt es sich dabei noch immer um ein durchaus respektables Ergebnis. Vor allem dann, wenn die geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen in Betracht gezogen wird: Diese liegt laut Studie historisch betrachtet lediglich bei 0,05 bis 0,35. Anlagen in landwirtschaftliche Nutzflächen wären über die letzten beiden Jahrzehnte eine gute Beimischung für die meisten Depots gewesen, schlussfolgert Credit Suisse Analyst Retho Menthgetti. Die Tendenz zur Landnahme durch Investoren wird sich in Zukunft wohl noch beschleunigen, vor allem da die Renditebetrachtung nur einen Teil der Gleichung ausmachen. Nicht zuletzt seit der Explosion der Nahrungsmittelpreise im Jahr 2008 stehen für viele Staaten und deren Fonds verstärkt politische und strategische Zielsetzungen im Vordergrund. Die langfristige Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Nahrungsmitteln stellt viele Volkswirtschaften vor große Herausforderungen. Das gilt sowohl für boomende ostasiatische Schwellenländer wie China, als auch für die ölreichen, aber wasserarmen Staaten des Nahen Ostens. Daneben spielt die Produktion von Biokraftstoffen eine immer größere Rolle. Experten rechnen deshalb einhellig mit weiteren Landkäufen internationaler Investoren. Alleine in den letzen drei Jahren haben internationale Investoren nach Schätzungen des unabhängigen „International Food Policy Research Insitute“ (IFPRI) 15-20 Millionen Hektar Agrarland unter ihre Kontrolle gebracht. Das entspricht selbst im niedrigsten Fall deutlich mehr als der dreifachen Staatsfläche der Schweiz. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um produktiv nutzbares Agrarland, was nur für einen Teil jeglicher Staatsflächen gilt. Die Kosten für den Großeinkauf erscheinen moderat, selbst wenn die teils sehr geringen Bodenpreise in Afrika und Südamerika in Rechnung gestellt werden. Das IFPRI geht von 20-30 Milliarden US-Dollar aus, die für Kauf oder langfristige Pacht aufgewendet wurden. Das würde im günstigsten Fall gerade einmal 1000 US-Dollar pro Hektar ausmachen. Eine einfache Rechnung veranschaulicht, wie billig die Transaktionen tatsächlich waren: Die gesamte Landfläche der Erde beträgt etwa 14,89 Milliarden Hektar. Würde man für jeden Hektar nur 1.000 Dollar ansetzen, wäre ein Betrag von 14,89 Billionen Dollar fällig. Darin sind unproduktive Standorte wie Steppen, Wüsten, Hochgebirge und Permafrostböden enthalten. Auf dieser Preisbasis hätte das Bruttoinlandsprodukt der EU im Jahr 2009 von mehr als 16 Billionen US-Dollar ausgereicht, um die gesamte Landfläche der Erde unter Kontrolle zu bringen. Auch wenn das Beispiel stark überzogen ist, veranschaulicht es klar warum unter Investoren eine regelrechte Jagd auf fruchtbaren Boden entbrannt ist: Langfristig betrachtet erscheint die Anlageklasse derzeit spottbillig. Das gilt umso mehr, als der Produktionsfaktor Boden beständig knapper wird, jedoch immer mehr Menschen ernährt werden müssen. Denn um dem Wachstum der Weltbevölkerung Rechnung zu tragen, muss die globale Nahrungsmittelproduktion bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent gesteigert werden (OECD – FAO Agricultural Outlook 2009 – 2018). Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fast die Problematik in einem Diskussionspapier zusammen: „Anhaltendes Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, und damit einhergehende fortschreitende Flächenversiegelung sowie Klimawandel, Desertifikation und großflächige Erosion erhöhen den Druck auf Boden und damit verbundene natürliche Ressourcen. Zusätzlich verstärkt sich die Konkurrenz um knappes Agrarland durch steigende Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie nach Biomasse zur stofflichen und energetischen Nutzung vornehmlich im fortdauernden Wachstums- und Entwicklungsprozess der Industrie- und Schwellenländer.“ Sieht man einmal von den häufig auftretenden vielfältigen sozialen und ethischen Problemen von Landinvestitionen in Schwellenländern ab, erscheint ein langfristiges Engagement durchaus vielversprechend. Allerdings bestehen für Privatinvestoren kaum Möglichkeiten, ohne drastischen Aufwand an der Entwicklung zu partizipieren. Auch wenn der überwiegende Teil der Transaktionen von Privatunternehmen getätigt wird, ist das nur sehr bedingt ein Zeichen für tatsächliches privatwirtschaftliches Engagement: Häufig streifen sich Staatsfonds oder ausländische Regierungen ein „privates“ Gewand über, um politische Widerstände besser umgehen zu können. Eine Alternative für Privatinvestoren bieten Investmentfonds und einzelne Aktiengesellschaften, die sich auf den Ankauf und die Nutzung von Agrarflächen spezialisiert haben. Dabei ist zu beachten, dass es zwar viele so genannte „Agrarfonds“ gibt, die wenigsten davon jedoch direkt als Farmer tätig sind. Vielmehr erwerben die meisten lediglich Anteile an börsennotierten Gesellschaften, die direkt oder indirekt im Agrobusiness tätig sind, wie beispielsweise die Titel von Landmaschinen,- Chemie- oder Düngemittelherstellern. Zu den wenigen Ausnahmen gehören beispielsweise die Fonds der „AGRARinvest“-Familie des Beteiligungshauses Aquila, die schwerpunktmäßig in Farmen in Neuseeland und Südamerika investieren. Auch die australische Investmentbankbank Macquarie offeriert mit dem Macquarie9: Agrar DirektInvest, der in australische Agrarbetriebe, Grund und Boden sowie in die für die Bewirtschaftung erforderlichen Wasserrechte investiert, eine direkte Beteiligung am Agrarsektor. Anleger sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die von den Fondsgesellschaften in Aussicht gestellten beachtlichen Renditen nicht garantiert sind. Sowohl die angesetzten Wertsteigerungskomponenten als auch der angepeilte Cashflow aus der Vermarktung der Erzeugnisse sind Marktschwankungen unterworfen. Darüber hinaus sind teilweise hohe Gebühren und versteckte Kosten zu schultern. Dennoch kann eine Beteiligung zum Zweck der Depotdiversifikation durchaus sinnvoll sein. Im Bereich der Einzeltitel bietet sich vor allem die schwedische Gesellschaft Black Earth Farming Ltd. (BEF) (ISIN: SE0001882291) als Investment an. Das Unternehmen erwirbt, entwickelt und betreibt Agrarprojekte vornehmlich in der russischen Schwarzerderegion. Schwarzerde ist ein leistungsfähiger und stabiler Boden, und wird deshalb intensiv für den Ackerbau genutzt. Die Bodenfruchtbarkeit beruht auf einem stabilen Gefüge und guter Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit sowie günstigen pH-Werten und einem reichen Bodenleben. Zum Ende des letzten Jahres kontrollierte die Gesellschaft 330.000 Hektar des Bodens, von denen 183.000 Hektar bereits bewirtschaftet werden. Sowohl die bewirtschaftete Fläche als auch das Flächenportfolio sollen zukünftig sukzessive ausgeweitet werden. Für Anleger mit langjährigem Horizont könnte die Aktie eine interessante Möglichkeit sein, sich verhältnismäßig günstig einen Anteil an den knapper werdenden hochwertigen Agrarflächen der Welt zu sichern. Wer dagegen die Risiken ausländischer Investition scheut, kann bei der Suche nach Agrarbeteiligungen in der EU beispielsweise auf die deutsche KTG Agrar AG (ISIN: DE000A0DN1J4) setzen. Die Gruppe vereint unter dem Dach der KTG Agrar AG mit Sitz in Hamburg mehr als 30 Betriebsgesellschaften. Insgesamt bewirtschaftet das Unternehmen derzeit eine Fläche von mehr als 30.000 Hektar in Deutschland und Litauen. Die Kernkompetenz ist der ökologische und konventionelle Anbau von Marktfrüchten, insbesondere von Getreide, Mais und Raps sowie deren Vermarktung. Ein Teil der Agrarrohstoffe wird zur Strom- und Wärmeproduktion in eigenen Biogasanlagen eingesetzt. Nach eigenen Angaben handelt es sich um einen der führenden Agrarbetriebe Europas, der damit auch von den hohen Subventionen der EU profitiert. gesamter Thread:
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- WM 90, 28.07.2010, 10:48